Termine

DatumUhrzeitStückOrtTicket & Info
09. April 202020:00Die vergessene RevolutionGelsenkirchenABGESAGT
28. April 202020:00Die vergessene RevolutionAlte Feuerwache Köln
29. April 202020:00Die vergessene RevolutionAlte Feuerwache Köln

Projekte

Francos Hermannsschlacht

Premiere: 23.01.20

Ende November hat der Bundesgerichtshof nun doch das Oberlandesgericht Frankfurt angewiesen einen Prozess wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. zu führen. Das heißt dieser bekommt nächstes Jahr einen aufsehenerregenden Prozess wegen Rechtsterrorismus. Als hätten wir es geahnt gibt es im Januar unsere Premiere des Stückes "Francos Hermannsschlacht", dass seinen Fall theatralisiert! "Francos Hermannsschlacht" Eine Produktion des Akademietheater e.V. als Diplominszenierung der Theaterakademie Köln in Kooperation mit dem nö theater im Orangerie Theater

"Die Theaterakademie sowie das nö-Theater machen mit Francos Hermannsschlacht genau das, was von Theatern erwartet wird: Sie beziehen Stellung! Gegen Rechts. Gegen Radikal. Gegen die, die „linksgrünversifft“ brüllen! Und wir können all das nur unterstützen, unseren Dank und unsere Glückwünsche schicken für die stets ausverkauften Vorstellungen und unseren Wunsch, dass dieses Stück in das Repertoire des nö-Theaters aufgenommen und weitergespielt wird. Im Idealfall so lange, bis sich jeder daran erinnert hat, wie gut es uns geht, wie schlecht anderen und was überhaupt in diesem Text steht, den man einst Grundgesetz nannte."Theater WG
Die Kunst, sich zu verkleiden, neue Rollen anzunehmen, Szenarien zu entwickeln, ist dem Theater wie den rechten Verschwörern gleichermaßen eigen. Auf der Bühne allerdings bringt das Spiel der multiplen Identitäten Licht ins Dunkel, die fünf Darsteller Alexandra Hespe, Carmen Konopka, Nastassja Pielartzik, Sergio Hoenen-Salas und Anna Sander meistern diese anspruchsvolle Aufklärungsarbeit mit Bravour. Janosch Roloff wiederum versteht es meisterhaft, in seiner Inszenierung die immense Fülle an Text und die komplexe Faktenlage so lebendig in Theatertableaus zu packen, dass der Zuschauer über die gesamte Dauer des dramatischen Geschehens bei der Sache bleibt.Kölner Stadtanzeiger
Orangerie

Den Drachen töten

Premiere: 13.06.19

Gewidmet Bolat Atabayev, im Kölner Exil lebenden Regisseur aus Kasachstan, stellvertretend für alle politischen Dissidenten Mehr als 400 Jahre herrscht Herr Drache über die Stadt. Die Stadtbewohner haben sich damit abgefunden: das war schon immer so, so wird es immer bleiben. Wir haben uns daran gewöhnt. Jedes Jahr wird dem Drachen das schönste Mädchen geopfert, auch das ist unsere Tradition. Herr Drache ist sehr gütig. Und überhaupt: es gibt nur ein Mittel, von Drachen verschont zu bleiben: Man muss seinen eigenen Drachen haben. Doch dann kommt einer – ein Heimatloser, ein Wanderer, ein Fremder, der die Dinge nicht so hinnehmen will, wie sie sind. Er fordert den Drachen zum Kampf heraus, um die Stadt zu befreien. Freiheit? Was fängt man mit etwas an, das man nie erfahren hat?

Die vergessene Revolution

Die vergessene Revolution
Premiere: 14.09.18

1918 – Eine Revolution. In Deutschland. Und erfolgreich. Im November beendeten die Revolutionär*innen den Weltkrieg, verjagten den Kaiser, stürzten das System, erkämpften die Demokratie und das Frauenwahlrecht. Sie entwickelten zahlreiche gesellschaftliche Alternativen und Utopien. Doch die Revolution wurde verraten, brutal erstickt und hundert Jahre später ist sie fast vollständig vergessen. Selbst im Jubiläumsjahr wird ein mögliches Gedenken von den Jahrestagen Karl Marx‘ und der 68er Bewegung überlagert. Das nö theater nimmt den Karabiner in die Hand, wendet sich diesem blinden Fleck der Geschichte zu, sucht nach Ursachen, offenen Wunden und versucht in einem flammenden Plädoyer die Revolution dem Vergessen zu entreißen. Ein dokumentarisches Theaterstück über eine Geschichte zwischen zwei Weltkriegen, die sanft beginnt und mit Blut überzogen wird.

Es ist eine feurige Geschichtsstunde aus der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen, die dem Zuschauer mit einem kraftvoll aufspielenden Ensemble und poetischen Theater-Tableaus in griffigen Worten nahegebracht wird. Dafür gab es bei der Premiere langanhaltenden Applaus.Kölner Stadtanzeiger, 10.10.2018
Die vergessene Revolution
Tiefrot
Politbüro

Inside AfD

Premiere: 17.11.17

Herbst 2017. Irgendwo in Deutschland. Die führenden Köpfe der AfD träumen von der parlamentarischen Machtübernahme und dem schleichenden Sieg im Kampf um die Deutungshoheit von Begrifflichkeiten. Doch dann kommt alles ganz anders. Ihr Visionär und Hauptredner ist plötzlich verschwunden und an seiner Stelle betritt ein afrikanisches Chamäleon die politische Bühne. Die zunächst als Krise wahrgenommene Situation entpuppt sich für die AfD als große Chance sich tief in der Gesellschaft zu verankern. Ein moderner Barbarossa-Mythos entsteht. Doch die Rechnung wurde ohne das Chamäleon gemacht… Nach monatelanger Recherche erforscht das nö theater in „Inside AfD“ die Strategien und Mechanismen der Zeitgeistpartei. Gleichzeitig werden Fragen nach einem wirkungsvollen Umgang und der unfreiwilligen Instrumentalisierung durch die AfD gestellt. Das nö theater wendet sich in „Inside AfD“ vom klassischen Dokumentartheater ab und sucht Antworten in einer lyrischen Entzauberung. Entstanden ist eine symbolische und sprachliche Achterbahnfahrt durch die BRD im postfaktischen Zeitalter.

Die Darsteller entblätterten, zerlegten, sezierten Strategien Schicht für Schicht und zeichneten ein verstörendes Partei-Psychogramm. Die emotionale Selbstinszenierung wurde der Lächerlichkeit preisgegeben. „Unser Anspruch ist es, den Wahrheiten möglichst nah zu kommen und diese ungeschminkt auf die Bühne zu bringen“, steht auf der Homepage des Theaters zu lesen. Diesen Anspruch konnten die großartigen Darsteller mit dem mutigen, fundiert recherchierten Stück auf ganzer Linie erfüllen. Auch wenn Rechte, Wutbürger, Identitäre und Rassisten dieser Aussage kaum zustimmen werden, denn das käme einer Selbsterkenntnis gleich.Hamburger Abendbaltt 08.10.2018
Wenn der Umgang mit der AfD so unterhaltsam und wirkungsvoll zugleich ist, dann muss einem nicht bange werden.Stadtrevue, Januar 2017
Inside AfD Flyer
Politbüro
Tiefrot

Gipfelstürmer 2.0. – Welcome Dahoam

Premiere: 16.09.16

Das nö theater beteiligte sich an den Protesten gegen den G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau und bringt sie auf die Bühne des Freien Werkstatt Theaters. Das Publikum wird Zeuge der Erlebnisse des Theaterensembles zwischen Bäumen und Bayern, Schlagstöcken und Volksküche, Blockadeaktionen und Diskussionsrunden. Darsteller und Publikum stellen sich der Frage nach dem Sinn politischer Aktionen. Die über ein Jahr gehende theatrale Einmischung des nö theaters in das Geschehen rund um den Gipfel knüpft an die „Gipfelstürmer“ der Spielzeit 2014/15 an und findet mit dieser eigenständigen Produktion ihren Abschluss.

A wie Aufklärung

Premiere: 15.09.16

Es geht weiter, bis heute ist wenig aufgeklärt. Viele Fragen sind nach wie vor offen. Vier Jahre nach ihrem ersten Projekt zu dem Thema – dem vielfach ausgezeichneten Stück “V wie Verfassungsschutz” – setzt sich das nö theater erneut mit dem NSU Komplex und dem Verfassungsschutz auseinander. Denn trotz Versprechen von höchster Stelle, einem jahrelangen Gerichtsprozess und zahlreicher Untersuchungsausschüsse müssen die Betroffenen auch weiterhin auf eine lückenlose Aufklärung warten. Das nö theater begibt sich ins Zeugenschutzprogramm, sucht nach den Ursachen und stellt die Frage ob wir die Antworten überhaupt wissen möchten.

Über 90 Minuten hinweg zündet das nö theater ein Feuerwerk an Recherchen und Fakten, dass in keinem Moment an Dramatik verliert. Die fünf Akteure beherrschen ihr Timing mit großer Sicherheit und Regisseur Janosch Roloff vermeidet trotz Materialfülle den informativen Overkill. „Ist das politisches Theater?“ Diese Frage stellt sich das Ensemble selbst. Ja, so analytisch und augenzwinkernd muss politisches Theater sein, möchte man ihnen zurufen. In keinem Moment belehrend, sondern stets im Dialog mit dem Publikum, erweist sich diese Form engagierten Theaters als außerordentlich nützlich: Denn hier werden die notwendigen Fragen gestellt, die eine Gesellschaft braucht, wenn sie sich als Demokratie verstanden wissen will.Kölnische Rundschau, 06.10.2016
Auch Beate Zschäpe darf hier, grandios demaskiert, Krokodilstränen vergiessen, bis ein pointierter Paukenschlag ihrem unsäglichen Redefluss ein Ende bereitet. Ein gelungener Schlusspunkt für den wachen Blick auf ein bundesdeutsches Trauerspiel, dessen letzter Akt noch lange nicht geschrieben ist.Stadtrevue, November 2016
A wie Aufklärung Flyer
Orangerie
Politbüro
Rosa Luxenburg Stiftung

Der Reigen

Premiere: 08.06.16

Ein Tanz der Versuchung in zehn Sündenfällen von Arthur Schnitzler. Ein Reigen aus Leidenschaft, Sexualität, Spiel, Lust, Betrug, Koketterie, Begierde, Verführung, Grobheit und Zärtlichkeit. Ein Porträt des Autors Arthur Schnitzler, der Gesellschaft und ihrer Moral und eines Jeden von uns. Es ist eines der skandalösesten Theaterwerke des 20. Jahrhunderts. Hysterische, herzzerreißende, pragmatische, neurotische, sinnliche, witzige Dialoge „vorher und nachher“. Originalton Schnitzler: „…eine bunte Reihe; aber etwas Unaufführbareres hat es noch nie gegeben.“ Und dennoch gelang dem Autor ein bezauberndes Kunstwerk – poetisch, komisch und elegant.

„(…) Alles andere als gefällig ist Irina Millers Inszenierung, die jetzt in der Orangerie zu sehen war. Mit den fabelhaften Schauspielern Janosch Roloff und Josephine Gey vom Nö-Theater hat Irina Miller (…) rigoros den Staub vom einstigen Skandalwerk gepustet (…) Bestes Material also für die beiden Protagonisten, ihre großartige Wandlungsfähigkeit in neun verschiedenen Rollen unter Beweis zu stellen. (…) Ein Höhepunkt dieses überaus kurzweiligen Sex-Reigens: Roloff als „Dichter“ erprobt mit großer genialischer Geste seine Verführungskünste bei der exaltierten „Schauspielerin“ mit einem erotischen Tango und scheitert doch am Wesentlichen – urkomisch! (…) Zwei amüsante Stunden, die wie im Flug vergehen. Und die beim Publikum hervorragend ankamen.“Barbro Schuchardt, Kölner Rundschau, 10.06.2016
Orangerie

Das Haus der Wassa Schelesnowa

Premiere: 25.03.15

Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod. (Türkisches Sprichwort) Wassa Schelesnowa ist einsam. Aufopferungsvoll und kompromisslos führt sie das Familienunternehmen, eine erfolgreiche Wolga-Reederei. Doch hinter der materiellen Fassade bröckelte es: Ihr Mann, ein ehemaliger Kapitän wird wegen Kindesmissbrauch angeklagt, ihr Bruder säuft sich um den Verstand, ihr Sohn liegt im Sterben und ihre Töchter scheinen unfähig ihre Nachfolge anzutreten. Wassa setzt alle ihre Hoffnung auf ihren Enkel Kolja. Doch dessen Mutter Rachel, die Vorbotin einer neuen Zeit, versucht Kolja dem Einfluss Wassas zu entziehen und ihn ins Ausland zu bringen. Es entsteht ein Kampf, in den die ganze Familie involviert wird.

» ( … ) das nö theater wagt und gewinnt; selbst wer den Abend eher als Handwerksübung nimmt, wird im Orangerie-Theater im Volksgarten von diesen anderthalb Stunden nahezu altmeisterlichen Einfühlungstheaters mitgerissen. ( … ) Schon erstaunlich, wie das nö theater hier bar jeder Förderung höchsten Ansprüchen genügt. Oder sind die nur bildungsbürgerliche Altlasten? Und der Abend ein Fall von Retro-Theater? Nennen wir es ein Experiment. Und zwar ein gelungenes. «Christian Bos, Kölner Stadtanzeiger 27.03.15
Orangerie

Gipfelstürmer – history is a work in progress

Premiere: 04.12.14

Im Juni 2015 versammeln sich erneut die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrieländer der Welt zum G7-Gipfel. Im bayerischen Elmau, erreichbar nur mit dem Hubschrauber und auf einer einzigen Privatstraße, wird Weltpolitik vor malerischer Alpenkulisse gemacht. Bis dahin aber gibt es noch viel zu tun: Die Themen des Gipfels müssen erst festgelegt, ein Hubschrauberlandeplatz gebaut werden, das Demonstrationsbündnis bereitet seine Aktionen vor, Dienstpläne für zehntausend Polizisten werden geschrieben. Unsere Probenarbeiten begleiten den Gipfel in seiner Entstehung. „Gipfelstürmer“ spielt im Vorfeld das Treffen der Großen Sieben durch und begleitet Anwohner, Politiker, Hoteliers, Demonstranten und Sicherheitspersonal. Ein Abend über Hoffnungen, Wünsche und Ängste. Die monatelangen Recherchen im Vorfeld werden nach der Premiere weitergeführt. Das Stück reagiert auf politische und organisatorische Veränderungen und nimmt in jeder Vorstellung eine neue Gestalt an.

Mit wunderbarer Selbstironie hecheln die „Gipfelstürmer“ die Rituale der der alternativen Protesaktivisten durch. (…) Und dann legen Asta Nechajute, Janosch Roloff und Felix Höfner vom nö theater – schon mehrfach für seine politischen Stücke ausgezeichnet – los, brechen dabei immer wieder aus Ihren Rollen aus, um sich zu hinterfragen. (…) 90 Minuten anregendes Polittheater.koeln-nachrichten.de
Im neuen Stück am Freien Werkstatt Theater erklimmen Felix Höfner, Asta Nechajute und Janosch Roloff und – ob sie wollen oder nicht – auch die Zuschauer Bergmassive kapitalistischer Herzensbrecher.Kölner Wochenspiegel

P.R.O.P.A.G.A.N.D.A – Ein Stück Krieg

Premiere: 29.05.14

1914: Krieg: Ganz Europa ist hochgerüstet. Während in einer propagandistischen Materialschlacht bereits die Säbel rasseln, wird das Artillerie-Geschütz „Dicke Berta“ schussbereit gemacht, um den Platz an der Sonne zu erringen. 2014: Bewaffneter Konflikt: (Fast) ganz Europa ist befriedet. Während die mediale Öffentlichkeits-Arbeit Auflagenstärke und Kartoffelchips-Absatz zu steigern sucht, schwingt die dicke Berta aus der sechsten Klasse ihre Fäuste, um die Freiheit am Himbeerbusch zu verteidigen. Zwei Schützengräben, ein Schlachthaus. Zwei Ensemble, ein Stück Krieg. Cape gegen Pickelhaube, Facebook gegen Wochenschau. Klein gegen Groß. Oben gegen Unten. Und Sie mittendrin. Wer ist Freund? Wer ist der Feind? Und während Sie sich fragen, welche Seite es verdient hat, zu verlieren, hat die Propaganda ihren Siegeszug bereits begonnen.

Der Spagat zwischen reizüberflutender Hochstimmung oben und lähmender Niedergeschlagenheit unten ist groß. Und doch greift die thematische Klammer, gelingt dank intensiver Schauspielleistungen - und der erstaunlichen textsicheren Kinder – und wirkungsvoller Regieeinfälle eine eindringliche Aufführung.Kölner Stadtanzeiger 31.05.2014
Brachland Ensemble
Orangerie

Die Agonie & die Ekstasse des Steve Jobs

Premiere: 20.02.14

Auf der Bühne: Ein smarter Kerl im grünen Hemd. Wir wollen ihm glauben. Er gesteht uns seine Liebe zur Technik - vor allem zu den Spielzeugen aus dem Hause Apple, und zu allem, was damit zu tun hat. Er erzählt uns eine Geschichte. Dabei ist er der Geschichtenerzähler und Stückautor Mike Daisy, der wie ein Enthüllungsjournalist von den menschenunwürdigen Bedingungen in den chinesischen Foxconn-Werken berichtet, von dort, wo die Hälfte unserer mikroelektronischen Geräte herkommt. Er erzählt von den riesigen Werkshallen, in denen tausende Arbeiter schweigend unsere Smartphones zusammenbauen. Er berichten von den Netzen, die die Arbeiter daran hindern sollen, sich aus Verzweiflung von den Dächern der Werksgebäude zu stürzen. Er beschreibt seine Begegnung mit Untergrundgewerkschaften und Aktivisten. Wenn er aus der Rolle fällt, dann höchstens, um in die des salsatanzenden Steve Jobs oder einer der anderen Figuren aus der Geschichte des Apple-Konzerns zu schlüpfen, die uns – wie aus einem Comicheft gestiegen – weiter mit einer Wahrheit konfrontieren sollen, die keine Wahrheit ist. Bereits zu Beginn des Stückes wird der Zuschauer darüber aufgeklärt, dass ein Teil des Erzählten frei erfunden ist. Denn dieser Abend ist ein Virus. Ganz im Sinne des Performers Mike Daisy wird er sich in die Gehirne der Zuhörer schreiben, wo er sich verändern und schließlich wieder ausbrechen wird, um sich weiter zu vervielfältigen. „Aber, warum solltet ihr mir glauben? Schließlich bin ich ja ein bekannter Geschichtenerfinder. Vielleicht ist nichts davon wahr. Wäre das nicht beruhigend?“, lässt der Autor sich selbst auf der Bühne sagen. Der Mike Daisy, der hier spricht, weiß nicht, dass auch das Stück selbst von einem Virus befallen ist, der ein ganz eigenes wollen hat. Über den Verlauf des Abends bahnt es sich immer offensichtlicher nach außen um am Ende als blinder Passagier mit in die Köpfe der Zuschauer zu gelangen. Seine Botschaft: Am Ende ist auch die Wahrheit nur ein Diener der Moral.

Die Inszenierung steckt voller pointierter Details gerade in den Bewegungs- und Sprechmustern, von der obligatorischen Wisch-Bewegung bis zum computerähnlichen Neustart, Wiederholung und kleinen Abstürzen. Der Text (Dramaturgie: Klaus Fehling) ist fesselnd und flüssig; wie Patric Welzbacher ihn performt, Ist herausragend – ein vitaler und eloquenter Komödiant! Kölner Stadtanzeiger 26.02.2014
Tiefrot

V wie Verfassungsschutz

Premiere: 20.09.12

Der deutsche Inlandsgeheimdienst steht für viel – nur nicht für Transparenz. Im Bewusstsein nichts wissen zu können, versuchen wir seine Geheimnisse zu lüften und begeben uns auf eine traurige Spurensuche von der Entstehung der RAF bis hin zum NSU Skandal. Laut Angabe des Verfassungsschutzes sind Drei Viertel der Bevölkerung von der Notwendigkeit des Inlandgeheimdienstes überzeugt. Doch die jüngsten Verwicklungen in die Mordserie des NSU werfen Fragen auf. Wie konnte das Neonazitrio dreizehn Jahre lang vor den Augen des Verfassungsschutzes ungehindert morden? War es Unfähigkeit oder bewusstes Kalkül? Blickt man in die Vergangenheit des Verfassungsschutzes so stößt man auf eine Kontinuität der Skandale. Das Versagen scheint nicht persönlich, sondern strukturell bedingt zu sein. Das nö-theater den tödlichen Spuren des NSU durch die Republik und entwickelt aus den Eindrücken ein Theaterstück, eine Geschichte die nicht hätte passieren dürfen. Wenn der Verfassungsschutz eine Theatergruppe wäre, würde er dieses Stück mit Sicherheit aufführen, um festzustellen wer im Publikum sitzt. Nachdem das nö-theater Köln Informationen recherchiert, gesammelt und ausgewertet hat, übernimmt es diese Herausforderung stellvertretend und setzt dem Verfassungsschutz ein theatrales Denkmal - nach dem Motto:Wir kamen, sahen weg und versagten.

Nach monatelanger, intensiver Recherche entstanden 100 Minuten geballte – und fundierte – Kritik an einer scheinbar unfähigen Behörde. Roloff schafft es, ihre politischen Skandale in hoch intelligentes, humorvolles Theater zu verwandeln, ohne dabei den Ernst der Lage aus den Augen zu verlieren. Auch die souveräne Haltung der Darsteller, zum Teil noch in der Ausbildung, ist verblüffend. In diesem Stück ist Herzblut…AKT 36, Oktober 2012
Es fließen Tränen, echte. Ein ungewöhnlich starker, bewegender Theaterabend.Kölnische Rundschau, 30.11.12
Kein wohlmeinendes Betroffenheitsstück, sondern kraftvolles, originelles Polittheater. V wie Verbal und visuel vielfältig, Verstand versprühend. Vorzüglich!Kölner Stadtanzeiger, 01.12.12
Orangerie

Der Vorgang Oury Jalloh

Premiere: 01.09.10

Dessau 2005: An Händen und Füßen gefesselt verbrennt der Asylsuchende Oury Jalloh in einer Gewahrsamszelle. Zwei Jahre später sitzen Polizeibeamte auf der Anklagebank. War es unterlassende Hilfeleistung, Suizid oder ein rassistischer Mord? Der Ablauf der Ereignisse bleibt auch nach 59 Verhandlungstagen rätselhaft. Die Justiz sieht überfordert vor einer Mauer aus Falschaussagen, Widersprüche und Schweigen. Woher soll Lichts ins Dunkel deutschen Verhältnisse kommen? Köln 2011: Das nö theater versucht den Fall zu rekonstruieren und setzt sich mit dem Komplex Asyl auseinander. Fest steht: Oury Jalloh starb dreimal. Es beginnt eine theatralische Suche nach dem Funken Wahrheit.

Für seine Produktion „Der Vorgang Oury Jalloh“ hat das junge Ensemble des „nö theater“ unter der Regie von Janosch Roloff Originaldokumente studiert und zu einer Collage von Szenen verarbeitet, die frösteln lassen und sich in rund 90 Minuten dramaturgisch geschickt zuspitzen. Wer ist schuld an diesem Tod? Diese Frage will das Stück mit den Mitteln der Kunst „die der Wahrheit manchmal näher kommen kann“, erörtert. Gut gespieltes dokumentarisches Theater mit dezidiert politischem Impetus, sensibel, engagiert, mit vehement vertretenem eigenen Standpunkt und einer Fülle von Ideen.(Kölner Stadtanzeiger 2010-09-04)
Tiefrot

Die weiße Rose – Ein Kriegsmärchen

Premiere: 07.03.09

Mai 1949: Gründung einer jungen Republik. Diesmal soll alles anders werden. Diesmal neue Helden. Diesmal Schiller statt Nietzsche, Beethoven statt Wagner und diesmal Sophie Scholl anstelle von Otto Bismarck, Blickt man hinter die Heldenmaske einer historischen Figur, scheinen alle einfachen Wahrheiten zu verschwimmen. Alle Vertraute, was einst so leicht zu verdauen schien, wirkt plötzlich grob und sperrig. Aber wenn die Verwirrung komplett ist auf Sophie Scholl von einem Musterbeispiel der Zivilcourage zur Galionsfigur nationalen Widerstands geworden ist – dann mag das Wunder geschehen und plötzlich kommt hinter der Heldenfratze etwas zum Vorschein: die Erkenntnis, dass wir es mit einem Menschen zu tun haben.

Erdachtes verbindet sich mit Auszügen aus Tagbüchern und Flugblättern. Mehr Fragen werden aufgeworfen als Antworten gegeben. Es bleibt Raum für Spekulationen. Dennoch beziehen die Autoren Stellung und legimitieren so ihre Wahl, Hans und Sophie Scholl erneut ins Zentrum der Kunst zu holen: Indem sie sie stellvertretend für all jene auferstehen lassen, die den Mut hatten „Nein“ zu sagen. Das Publikum erlebt aufwühlendes Theater.Kölner Stadtanzeiger 2009-10-11

Über Uns

Seit zehn Jahren machen wir dokumentarisches Theater mit dezidiert politischem Impetus.

Grundlage unserer Arbeit ist eine tiefgehende Recherche, an der möglichst alle Beteiligten umfassend involviert sind. Wir führen Interviews, besuchen Orte, befragen Expert*innen und entwickeln aus diesen Erfahrungen jeweils eine spezielle theatrale und ästhetische Form.

Wir verstehen uns als Netzwerk von Schauspieler*innen die sich wechselnden Konstellationen zusammenfinden. Zu den den einzelnen Projekten stoßen jeweils weitere Künstler*innen dazu.

Unsere Produktionen sind darauf ausgerichtet, an möglichst vielen Orten aufgeführt werden zu können. Im Jahr 2018 hatten wir beispielsweise 55 Auftritte in 15 Städten.

Wir versuchen Hierarchien in unseren Arbeitsprozessen möglichst flach zu halten und treffen wichtige Entscheidungen gemeinschaftlich.

Blumen Gewehr

Förderverein

Der eingetragene und als gemeinnützig anerkannte Förderverein hat sich das Epigramm

„Moral
Es gibt nichts Gutes
außer: Man tut es“

von Erich Kästner zum Vorbild genommen. Das nö theater entwickelt seit Jahren Theaterstücke, die ihren Fokus auf unbeleuchtete und vernachlässigte Aspekte gesellschaftlicher Verhältnisse richten. Es sind Stücke, die unterhaltsam, anregend und notwendig sind. An Themen, die eine kritische Betrachtung verdienen, mangelt es nicht. Gleichzeitig werden die Umstände, unter denen Stücke entwickelt und erarbeitet werden müssen, nicht einfacher.

Hauptziele des Fördervereins sind daher einerseits, dringend benötigte Ressourcen für die Entwicklung der Stücke zur Verfügung zu stellen und andererseits, die Stücke auch dort erlebbar zu machen, wo politisch-dokumentarisches Theater ohne weitere Subventionierung nicht möglich ist. Ziel ist: überall Theater!

Unterstützt – finanziell oder anders engagiert – das nö theater!

Werdet Mitglied im Förderverein!

Weitere Information unter: foerderverein@noetheater.de

Förderverein nö theater e.V.
Lindenthalgürtel 27
50935 Köln
Mail: foerderverein@noetheater.de

Kontoverbindung: IBAN DE59500310001065629000 BIC TRODDEF1XXX Triodos Bank
Steuernummer: 223/5906/2951 Vereinsregister: 19945 Amtsgericht Köln

Kontakt

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nö theater

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50677 Köln
im Gebäude der Theaterakademie Köln NRW(Germany)